Nachklang

Taube

Hanau wurde am 19. März 1945 durch einen alliierten Fliegerangriff in Schutt und Asche gelegt. Nur 20 Minuten dauerte der Nachtangriff, der die historische Innenstadt auslöschte und rund 2.500 Menschen das Leben kostete. Viele davon starben nicht unmittelbar durch die Geschosse sondern erstickten in der lichterloh brennenden Stadt, weil das Feuer allen Sauerstoff aufbrauchte.

Am 22. März 2015 beging die Stadt Hanau den Gedenktag zum 70. Jahrestag der Zerstörung mit vielen Veranstaltungen.

Den Abschluß bildete ein feierliches Gedenkkonzert in der Christuskirche:

F. Martin: „In Terra Pax“

F. Poulenc: „Gloria“

Hanauer Kantorei

Sinfonisches Kammerorchester Wernigerode
Leitung: Christian Mause

Wir waren als Solisten-Quartett bzw Quintett engagiert und bereits am Vortag zu ausführlichen Orchesterproben angereist, nachdem wir uns in der Woche vor dem Konzert zu gemeinsamen Klavierproben getroffen hatten, um uns als Ensemble aufeinander einzustimmen.

Unser Kollege Ralf Grobe (Bass) ersetzte den durch ein anderes Engagement verhinderten Allan Parkes und der Bariton Jan Träbing-Westendorff ergänzte unsere Reihen zum für den Martin erforderlichen Quintett.

Während Martins Werk – die gewaltige Erzählung der Apocalypse mit versöhnlichem Ende – eher den tiefen Stimmen vorbehalten ist, bietet Poulencs „Gloria“ mit einer wunderbaren Sopran-Partie einen leuchtenden und versöhnenden Gegensatz.

Am Ende des Konzerts senkte sich minutenlanges Schweigen über den Raum, in das zum abschließenden Gedenken ein langanhaltendes Glockengeläut einsetzte.

In den letzten, schon verklingenden tiefen Ton erhob sich plötzlich ein Kinderstimmchen wie zur Erlösung und ein spürbares Aufatmen ging durch das Kirchenschiff, wie eine wohltuende Briese die schließlich in viel Applaus mündete.